Zahlreiche Gesundheitsbefragungen generieren das immer gleiche Ergebnis: Menschen fühlen sich in der heutigen Arbeitswelt immer gestresster, die Diagnosen für Depression stiegen in den letzten Jahren rapide an (Fehlzeitenreport 2019). Andererseits bietet die Arbeitswelt heute mehr denn je den Luxus, sich selbst zu verwirklichen und „sein Ding“ zu machen. Hinter Selbstverwirklichung  verbirgt sich dabei die Frage danach, wie authentisch Menschen an ihrem Arbeitsplatz sein können. Eine wichtige Frage ist deswegen die Frage, ob es gesundheitliche Auswirkungen hat, am Arbeitsplatz authentisch zu sein. 

 

  In Bezug auf Authentizität am Arbeitsplatz sind Menschen dabei vor besondere Herausforderungen gestellt: So kann es beispielsweise sein, dass ich ein Unternehmensbild oder ein Produkt vertreten muss, von dem ich nicht überzeugt bin. Oder ich habe als Führungskraft das Gefühl, einem bestimmten Rollenbild von Dominanz nachkommen zu müssen, was nicht meiner Persönlichkeit entspricht. Häufig treten auch Konflikte im sozialen und Dienstleistungsbereich auf, wo oft sogenannte „Emotionsarbeit“ gegenüber Kunden oder Patienten geleistet werden muss – positive Gefühle kommunizieren, unabhängig von der tatsächlichen eigenen Stimmungslage. 

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass es sich bei authentischem Verhalten tatsächlich um eine gesundheitsrelevante Ressource handelt: Authentische Mitarbeiter zeigen eine höhere Arbeitsfähigkeit und geringere Werte für nichtklinische Depressivität (Emmerich & Rigotti, 2017). 

 

Interessant ist auch: Es gibt in Bezug auf Depressivität und intrinsische Motivation auch einen umgekehrten Effekt: Mitarbeiter, die weniger depressive Symptome und eine höhere intrinsische Motivation zeigten, zeigten dadurch authentischeres Verhalten. Damit ist Authentizität kein Luxus, den man sich als Selbstverwirklichung „leisten“ kann, sondern ein entscheidender Faktor für die individuelle Gesundheit und den Erfolg von Organisationen.