Zahlreiche Gesundheitsbefragungen generieren das immer gleiche Ergebnis: Menschen fühlen sich in der heutigen Arbeitswelt immer gestresster und unter Druck gesetzt. Die Diagnosen für Depression stiegen in den letzten Jahren rapide an. Andererseits bietet die Arbeitswelt heute mehr denn je den Luxus, sich selbst zu verwirklichen und „sein Ding“ zu machen.

    Dabei ist die Frage nach Selbstverwirklichung die Frage danach, wie authentisch Menschen an ihrem Arbeitsplatz sein dürfen. Die vorliegende Arbeit widmet sich dieser Frage nicht aus der Perspektive der individuellen Präferenz oder der Ethik, sondern aus dem Blickwinkel der psychischen Gesundheit: Sind Menschen, die sich am Arbeitsplatz authentisch verhalten auch psychisch gesünder, zufriedener mit ihrer Arbeit und leistungsfähiger?

   Authentizität beschreibt dabei das Verhalten, das aus dem „Inneren“ eines Menschen kommt, d.h. Verhalten entsprechend den eigenen Gedanken, Gefühlen, Eigenschaften und Bedürfnissen. Authentische Menschen zeigen dabei nicht nur Verhalten, was ihrem „wahren Selbst“ entspricht, sondern sind sich dessen auch stärker bewusst und suchen gezielt offene und authentische (Arbeits)beziehungen.

  In Bezug auf Authentizität am Arbeitsplatz sind Menschen dabei vor besondere Herausforderungen gestellt: So kann es beispielsweise sein, dass ich ein Unternehmensbild oder ein Produkt vertreten muss, von dem ich nicht überzeugt bin. Oder ich habe als Führungskraft das Gefühl, einem bestimmten Rollenbild von Dominanz nachkommen zu müssen, was nicht meiner Persönlichkeit entspricht. Häufig treten auch Konflikte im sozialen und Dienstleistungsbereich auf, wo oft sogenannte „Emotionsarbeit“ gegenüber Kunden oder Patienten geleistet werden muss – positive Gefühle kommunizieren, unabhängig von der tatsächlichen eigenen Stimmungslage. 

Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass es sich bei authentischem Verhalten um eine gesundheitsrelevante Ressource handelt: Authentische Mitarbeiter sind stärker intrinsisch motiviert, begeistert für ihre Arbeit, schätzen ihre Leistung höher ein und zeigen eine geringere Kündigungsabsicht. Interessant ist auch: es gibt in Bezug auf Arbeits- und Lebenszufriedenheit einen umgekehrten Effekt: Eine höhere Arbeits- und Lebenszufriedenheit führt dazu, dass ich mich authentischer verhalte (nicht umgekehrt).

    Damit ist Authentizität kein Luxus, den man sich über die Existenzsicherung hinaus „leisten“ kann, sondern ein entscheidender Faktor für die individuelle Gesundheit und den Erfolg von Organisationen.